
Ein feuchter, stiller und abseits gelegener Platz im Tayrona Nationalpark in der Sierra Nevada de Santa Marta.

Dreht man sich um, zum Meer hin, geht ein paar Schritte, dann kann man am Abend zwei freilaufende Mulis am Strand beobachten. Eines wälzt gerade seinen Rücken im Sand, das andere, besser zu erkennen, grast.

In dieser Idylle, einem Nebeneinander von Kokosbauern und freilaufenden Hühnern, Mulis, Katzen und Hunden …

… befindet sich eine Kultstätte der Kogui. Hier werden schamanische Zeremonien durchgeführt, um die Reinhaltung des Wassers sicherzustellen. Andere heilige Orte sind dem Salz gewidmet, oder Pflanzen.

Also trotz der strengen Bemühungen der spanischen Konquistadoren, die Tayrona zum Christentum zu zwingen, hat sich bis heute der Schamanismus bei deren Nachkommen, den Kogui, erhalten. — Dieser moosbewachsene Granitstein mit einer Gravur aus der Zeit der Tayrona ist kein kleines, faustgroßes Relikt, sondern tonnenschwer.

Aufgenommen im großartigen (!) “Museo del Oro Bogota“: Ein Brustanhänger aus Gold und Kupfer (Tumbaga) aus der Zeit der Tayrona. Gold, so die Annahme der Indianer, zieht die Kraft der Sonne an, die sich weiterhin direkt auf den Träger des Brustschmucks überträgt. Die Figur zeigt einen Schamanen mit dem Kopfschmuck einer Fledermaus. Im indigenen Denken steht die Fledermaus mit der Dunkelheit in Verbindung, sie symbolisiert die unterirdische Sonne. Indem der Schamane (in ritueller Trance) das Sein einer Fledermaus annimmt, erhält er die Fähigkeiten dieser Nachtgeschöpfe und kann so mit den Mächten der Finsternis in Verbindung treten. Ich weiß es nicht genau – die Schamanenfigur raucht hier entweder eine Pfeife oder bläst eine Okarina. Mit letzterer wurden die Stimmen und Rufe der Tiere des Waldes täuschend genau imitiert. Denn für Melodien war die ursprüngliche Form der Okarina kaum geeignet …